Am Montag morgen starten wir zu Fuss bei windigem und feuchtem aber nicht kaltem Huddelwetter zum Bahnhof der Steam-Railway. Es ist grau und alles verhangen, wir fahren kurz nach 10 Uhr los nach Douglas. Die Fahrt dauert eine Stunde. Bei der nächsten Station steigt ein Herr in unser Abteil. Er ist ursprünglich Österreicher, in Kanada aufgewachsen und lebt mit seiner Deutschen Frau seit 5 Jahren auf der Insel of Man. So ist er schnell in Deutschland oder Österreich bei Familie und Freunden, was von Kanada aus schwierig ist. Wir unterhalten uns eine Stunde, bei der Ankunft in Douglas haben wir schönstes Wetter, Sonne und recht warm.





Wir suchen einen Bootszubehörladen, wir brauchen noch eine Irland-Flagge, falls unsere Reise weiter nach Dublin geht. Seit Corona sind einige Firmen die Flaggen produzieren pleite gegangen, jetzt sind sie etwa 10mal teurer, der Ladenbesitzer bestellt erstmal keine mehr, er verkauft viel zu selten welche. Dann haben wir erstmal keine Irland-Flagge.


Wir schlendern durch die Stadt, schauen uns die Gassen und Häuser an, unterhalten uns in einem Fanshop mit dem Besitzer. Er verkauft signierte Bilder von Sportstars und hat schon mal einen Grossauftrag von mehreren Tausend Franken nach Oftringen geliefert.
In einem Café essen wir was Kleines, Mani Chips und ich ein Ei-Käsesandwich mit Salat, war fein. Die Promenade wirkt auf den ersten Blick sehr sauber und gepflegt, beim zweiten sieht man schon, das die Balkone und Fassaden der Hotels und das Geländer an der Promenade sehr renovationsbedürftig sind. Schade dass sie die Stadt so verkommen lassen. Bevor wir mit dem Bus zurück fahren, gehen wir beim Metzger verschiedene Spiessli und Würste einkaufen. Der Herr im Steam Railway hat uns das Fleisch der Insel empfohlen. Gegen 17 Uhr steigen wir kurz vor Port St. Mary aus und gehen die letzten Meter zu Fuss dem Strand entlang zum Boot zurück. Zum Znacht gibt es Teigwaren mit den feinen Spiessli.

Am Abend besucht uns wie schon gestern um die gleiche Zeit ein Seehund, lässt sich aber nur schwer fotografieren, er hat sich auch nicht angemeldet, so dass wir in nur zufällig entdecken.
Für heute ist ja Starkwind angesagt, bis zu 43kt Wind und 1,6m Wellen. Deshalb sind wir auch so lange auf der sehr schönen Insel of Man geblieben. An Land war der Wind gar nicht so schlimm, mal schauen, was morgen kommt, er soll abnehmen.
Um 6 Uhr stehen wir auf, wir haben 15kt Wind. Am Anfang könnte es draussen noch viel Wind haben, was uns aber auch schnell vorantreibt. Wir beschliessen raus zu fahren und nach Dublin oder notfalls, wenn der Wind nicht passt nach Holy Head zu segeln. Schon bald stellt sich heraus, dass der Wind zu westlich ist, um nach Dublin zu kommen, es geht nach Holy Head. Der Wind und die Wellen nehmen stark zu, max. 38kt Wind und bis zu 3m hohe Wellen vom Tal bis zur Spitze. Die Fock ist im zweiten Reff und trotzdem segeln wir mit bis zu 9,4kt Fahrt. Das ist ganz heftig und wirklich sehr anstrengend. Jede Welle bringt uns wieder vom Kurs ab und das auskorrigieren braucht viel Kraft. Die Wellen spritzen zum Teil so hoch, dass unsere Kuchenbude über spritzt wird, das Wasser läuft ins Cockpit, auf die Ablage unter der Sprayhood und von da sogar ins Boot rein. Wir müssen den Niedergang ganz schliessen. Zum Glück haben wir die Kuchenbude, sonst wären wir heute sehr nass geworden.
Nach knapp 6 1/2 Stunden haben wir die 50 Seemeilen hinter uns und ich bin mega froh endlich im sicheren Hafen zu sein. Den ganzen Nachmittag schwanke ich noch hin und her, mir ist halb übel. Während der Fahrt hatte ich keine Magenprobleme. Wir räumen auf, putzen und hängen ein Sitzkissen und ein paar nasse Putzlappen zum Trocknen auf. Bis am Abend sollte alles trocken sein.

Der Hafen von Holy Head ist ein Geisterhafen, er wurde 2018 durch einen Sturm zerstört. Die Krampen am Steg sind zum Teil lose, zum Glück sind einige stark genug, dass wir uns sicher festmachen können. Es hat einen schönen Bootszubehör Laden, leider schon um 16 Uhr geschlossen. Der Hafenmeister ist noch da, aber die Kasse schon geschlossen, wir können die Hafengebühr nicht bezahlen. Wir geben ihm unsere Daten, er ruft uns morgen an, dann sollen wir telefonisch bezahlen. Die Restaurants und Cafés um den Hafen sind alle zu.

Nach einem beruhigenden Spaziergang essen wir eine feine Pizza in einem gut bewerteten Pizza-Take-Away. Ich bin froh, heute nicht mehr abwaschen zu müssen. Wir müssen ja noch das Boot fertig aufräumen und die nassen Sachen die zum Trocknen aufgehängt sind, wieder versorgen.

Am Mittwoch morgen haben wir noch etwas Wind, der uns hilft um die Spitze von Holy Head zu kommen, danach nimmt er leider so stark ab, dass wir motoren müssen. Das Bisschen was übrig bleibt kommt voll auf die Nase. Während ich hier schreibe besuchen uns mehrere Delfine, für Fotos haben sie aber keine Lust.

Wir wollen nach Pwllheli, doch wir sind zeitlich früh dran, der Wind nimmt auch wieder zu, so dass wir ihn nutzen wollen, der Kurs führt uns passend Richtung Aberystwyth. Der Hafen ist Tidenabhängig, wir versuchen mehrmals anzurufen um uns anzumelden. Es kommt immer nur der Telefonbeantworter. Am späteren Nachmittag erreichen wir doch noch den Hafenmeister, leider ist er ausgebucht. Er empfiehlt uns Aberdyfi. Da hat es noch eine Gästeboje. Nach einem schönen gemütlichen Segelnachmittag sind wir um 19.30 Uhr an der Boje fest. Wir haben eine ruhige Nacht, der Wind ist eingeschlafen. Bis und mit Samstag ist der Wind sehr ungünstig für uns, immer mit Böen bis 23kt genau aus der Richtung, die wir segeln wollen. Am Sonntag soll er nachlassen, aber dann grad Flaute. Wir beschliessen bis Sonntag zu warten. Lieber bei Flaute motoren, als mit viel Wind voll auf die Nase. Kreuzen ist uns zu lang, wenn die Strecke eh schon 80 Seemeilen weit ist bis nach Milford Haven.
Auf den Shettland Inseln, Fair Isle und den Orkneys haben wir sehr viel Süsses gegessen, bis wir all die gluschtigen Brownies, Caramelslice und Glacé’s probiert haben und dann auf der Britannia sowas ähnliches wie Marzipan, das war aber nicht so toll, nur mega süss und mastig. Nach dem Besuch der Britannia haben wir beschlossen für ca. 3 Wochen, bis zum 14. August, unserem 10. Hochzeitstag, nichts Süsses zu essen. Langsam wird es Zeit, dass der Tag endlich kommt, ich habe mega Lust auf einen leckeren Caramelslice oder ein tolles Eis. Gerade eben ist Mani von seinem kurzen Landgang zurück gekommen und meinte wir müssten morgen eine Ausnahme machen, es hat drei Eiscafés im Ort, bei einem stehen die Leute Schlange bis nach draussen, die anderen sind leer. Na mal schauen, ob wir uns morgen was genehmigen.
Unsere Boje ist direkt im Fluss, zweimal am Tag fliesst das Wasser raus und etwas über sechst Stunden später wieder rein. Der Wind nimmt wieder zu. Bei abfliessendem Wasser befindet sich das Boot zwischen abfliessendem Wasser westwärts und ostwärts wehendem Wind. Weil wir an einer Boje sind will der Wind uns nach Westen drehen aber das abfliessende Wasser will uns nach Osten drehen. So werden wir im Schlaf richtig durchgeschüttelt. Am Donnerstag Morgen wird die Boje unter dem Boot durchgedrückt, dadurch verklemmt sich die Halteleine am Bug, wodurch der Hacken ausreissen und uns ein Loch ins Boot reissen könnte. Wir versuchen die Leine kürzer zu nehmen und über den Anker zu legen, das klappt aber wegen der starken Strömung nicht. Wir kürzen sie mit zwei zusätzlichen Leinen, die wir an den vorderen seitlichen Krampen befestigen. Der Hafenmeister leiht uns seinen Treibanker aus, wir befestigen ihn am Heck. Wirklich besser wird es aber nicht. Am Abend schaffen wir es dann doch noch, die Halteleine über den Anker zu legen, so ist die Boje kürzer gelegt und kann nicht mehr unter dem Boot durch und schlägt auch nicht mehr so an.



Am Nachmittag erkunden wir das Dorf, geniessen ein super feines Eis vom besagten Eiscafé. Der Spaziergang auf dem Höhenweg zeigt den Fluss von oben, da scheint alles sehr sanft und ruhig zu sein.

In der Nacht auf Freitag ist es zwar unruhig, aber wir stehen es irgendwie durch. Nach dem Frühstück warten wir die Flut ab, dann ist keine Strömung, wir fahren mit dem Dinghi und Tandem auf die andere Flussseite an Land und radeln nach Aberystwyth zum Lidl einkaufen. Eine sehr hügelige und zum Teil sehr steile Strecke.



Ca. um 15.30 Uhr sind wir beim Dinghi um zurück zum Boot zu fahren. Der Aussenborder vom Dinghi ist kaputt, die Sollbruchstelle ist wieder mal gebrochen. Wir sind spät dran, das Wasser im Haubtfluss fliesst schon wieder rein. Mani zieht das Boot durchs Wasser bis wir im Hauptfluss sind, für den Motor wäre es sowieso zu seicht.



Wir müssen also zum Boot rudern, weil der Motor immer noch nicht läuft. Mani kämpft wie wild und bringt uns sicher zur Miss Suma zurück. Ich steige seitlich unsere Fendertreppe hoch und sichere das Dinghi mit einer Leine, so kann die Strömung das Boot nicht weg treiben. Wir ziehen das Dinghi hoch und nehmen das Tandem an Deck. Mani kontrolliert nochmals den Motor und bringt ihn zum Laufen. Nach dem Nachtessen wollen wir es nochmal wissen, wir gehen an Land zum Duschen und dann noch in den Ausgang. Das Wasser ist noch auflaufend, der Motor läuft wieder, alles geht glatt. Wir besuchen zwei Pups und trinken was feines. Ca. um 21.30 Uhr wechselt die Strömung wieder, was uns zu gute kommt, wir fahren zurück aufs Schiff.
Die Nacht wird wieder sehr unruhig. Um 3 Uhr, nach einem Toilettengang, können wir nicht mehr schlafen, Strömung und Wind kämpfen gegeneinander, das Boot kann sich nicht in den Wind drehen, weil die Strömung das verhindert, es kann sich auch nicht in die Strömung drehen, weil der Wind es verhindert. Wir sind immer wieder kurz davor, Mani versucht mit Steuern und dem Bugstrahlruder nach zu helfen, aber es klappt nicht. Schlimm ist das zwar nicht, aber zum Schlafen ist das sehr unruhig.
Am Samstag Morgen wissen wir nicht so recht, ob wir den Ort verlassen sollen oder nicht, aber bei dem Wind und der langen Strecke, die wir vor uns haben, wollen wir nicht aufkreuzen oder mit Motor gegen an kämpfen, das dauert zu lange. Das Zeitfenster um raus zu fahren ist sehr kurz und bei unserem Abwägen auch schon fast vorbei. Wir bleiben, heute Abend soll der Wind einschlafen.
Es ist sehr ruppig, die Gefahr, dass wir uns verletzen beim Aussteigen ins Dinghi ist recht gross, wir warten ab. Ich nähe an meinen Vorhängen und Mani macht ein Nickerchen. Um 11 Uhr läuft das Wasser wieder ab, der Wind kommt etwas abgeschwächt von hinten, das Boot hat sich nach dem Wasser ausgerichtet, wir können sehr gut aussteigen und fahren an Land für einen Spaziergang.


Die Englische Küste ist für uns sehr anstrengend zum Reisen, man muss sich immer nach der Tide richten, die Häfen sind nicht immer anlaufbar, viele Häfen sind für unser Boot nicht tief genug. So sind die Schläge die wir an einem Tag zurücklegen müssen zum Teil sehr lang. Wenn die Häfen voll sind und nur Bojen zur Verfügung stehen kann es dann so unruhig sein, wie jetzt hier die Tage. Das mindert das Freiheitsgefühl sehr stark.
Heute morgen um 7 Uhr, es ist Springtide, das heisst die Flut ist höher als normal. Der Fluss ist schon genug tief, wir können Aberdyfi verlassen und frühstücken unterwegs. So ruhig kann es hier sein, wenn kein Wind weht.

Es hat kaum Wind aber voll von vorne. Teilweise nehmen wir die Fock zur Unterstützung raus. Es wird ein langer Tag, das Ziel ist Milford Haven, das sind ca. 80 Seemeilen, min. 16 Stunden. Ich nutze den langen Tag und nähe meine Vorhänge fertig. Ich muss nur noch die Vorhangriegeli annähen.



Ich wärme das Nachtessen auf, so dass wir essen bevor wir in den Davis Head erreichen. Das Gas ist leer, wir müssen die Gasflasche wieder tauschen. Das möchte ich aber nicht während der Fahrt machen, ich koche mit Strom, wir haben genug Energie.


Kurz vor dem Saint Davis Head kommen wir voll in die Gegenströmung und fahren mit unter 2kt Fahrt mühevoll Richtung Engstelle von Ramsey Sound. Wir sehen schon von weitem ein Segelschiff in der Bucht ankern und wundern uns, wie ruhig das Boot liegt, da ja in der Durchfahrt eine starke Strömung herrscht. Wir haben die Bucht fast querab, da sehe ich eine Anlegeboje. Kurzerhand beschliessen wir, nach 63 Seemeilen über Nacht hier zu bleiben. Zügig fahren wir hin und befestigen das Boot an der Boje. Es liegt sehr ruhig, kaum zu glauben. Die Stimmung hier ist sehr mystisch, leicht diesig, das Rauschen der Strömung und heulen von einem Tier, vielleicht ein Heuler? Schreiben auf meiner Homepage und aktualisieren geht leider nicht, ich habe zwar genug Internetempfang, aber ich kann nicht auf das Bearbeitungsprogramm zu greifen. Sehr komisch.
