Am Montag Morgen putzen wir das Boot aussen, es ist vom Wind ganz mit Strassenstaub und Blättern vollgeweht, das sieht scheusslich aus. Wir kaufen uns Pasties für zum Znacht, damit wir auf der langen Überfahrt nicht kochen müssen. Die letzte Stunde bevor die Schleuse aufgeht ist mühsames warten bis es endlich soweit ist, es fahren vier Boote raus, alle fahren heute Richtung Süden. Verena macht ein paar Abschiedsfotos von uns, die sie mir dann mailt, herzlichen Dank.

Aus der Bucht raus, können wir sofort segeln. Kurze Zeit später lässt der Wind nach, wir nehmen die Kuchenbude runter damit wir das Grosssegel auch setzten können, so sind wir schneller. Doch nach der nächsten Landspitze nimmt der Wind wieder zu, also Gross reffen, nochmals etwas später ganz rein. Vor uns ist eine Regenzelle, die uns ev. erwischen könnte, deshalb bauen wir die Kuchenbude wieder auf. Wir segeln die nächsten 12 Stunden und können die Strömung um Landsend super nutzen wir sind zügig durch. Bis etwa um 01 Uhr segeln wir nur mit der Fock und haben eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,5kt Fahrt.

Danach stellt der Wind ab und wir können nur noch motoren bis Dienstag Abend in Brest. Die Nacht ist Stockdunkel, man kann gar nichts sehen, ganz selten sehen wir mal ein Schiff am Horizont. Es ist stark bewölkt, kein Mond und keine Sterne sichtbar. Wir wechseln uns im zwei-Stundentakt ab und schlafen im Cockpit. Zwischen 4 und 5 Uhr wird es ganz langsam etwas heller, so dass ich in meiner frühen Schicht den Horizont schwach erkennen kann. Der Tag ist lang vorallem weil wir nur motoren können. Es hat dicken Nebel, den ganzen Tag.

Kurz nach 20 Uhr, nach 32 Stunden kommen wir müde in Brest an und werden schon erwartet. Nach unserer Dusche erhalten wir ein Foto von unserem Boot, ob wir schon schlafen. Wir treffen uns in einer Bar mit Urs und Elsbeth.

Für den Mittwoch verabreden wir uns mit Urs und Elsbeth auf 10 Uhr und besuchen das Oceanis, das Aquarium in Brest, das Wetter ist kühl und bewölkt, darum entscheiden wir uns für das Schlechtwetterprogramm. Leider wird ein Teil renoviert und umgebaut, deshalb sind keine Haie und Pinguine zum Besichtigen. Dafür bewundern wir Seeotter, Rochen und Seehunde. Es hat eine Ausstellung wie sie versuchen die Meere und Meeresbewohner zu schützen. Am Nachmittag nach einer Zwischenverpflegung und kleinen Velotour durch die Stadt fahren wir zurück zum Hafen.


Die Campingplätze für Camper sind sehr voll und es ist schwierig einen guten Platz zu finden. Deshalb schlafen Urs und Elsbeth für drei Nächte bei uns auf dem Boot. Mani kocht eine feine Fischsuppe zum Znacht.
Am Donnerstag nach dem Zmorgen verlässt Urs das Boot und fährt mit dem Auto nach Crozon Morgat, wo wir zu dritt hinsegeln wollen. Kurz nach der Hafenausfahrt setzen wir die Fock und können segeln. Wir werden von einem Militärhubschrauber verfolgt und mit einer grossen beschrifteten Tafel wird uns mitgeteilt, dass wir per Funk auf Kanal 16 sollen. Kurz darauf kommt die Polizei mit einem Motorboot auf uns zu und weisst uns an, nicht in den Norden zu fahren. Das passt, wir wollen sowieso in den Süden. Wir spekulieren, ob vielleicht ein Uboot in den Hafen einfährt. Andere Segler die nördlich segeln, werden nicht weggewiesen.

Am Mittag setzen wir die Spistange und segeln mit Raumwind. Ich backe uns drei kleine Apfelküchlein zum Zmittag, dazu einen feinen Kaffee.



Kurz vor 15 Uhr sind wir im Hafen von Crozon Morgat am Steg fest. Ein kleines touristisches Dorf mit Restaurants, Cafés und Créperies. Wir kaufen nochmals Fisch und verlängern die Suppe. Danach spielen wir Dog, Frauen gegen Männer. Aus irgend einem unerklärlichen Grund, gewinnen die Männer beide Spiele. morgen gibt es Revanges.

Für Freitag Zmorgen backe ich ein feines Sauerteigbrot. Um an Deck zu frühstücken ist es leider noch etwas zu kühl. Wir essen im Salon. Wir bleiben noch einen Tag hier im Hafen und schauen uns die Küste an. Urs und Elsbeth machen eine Velotour, Mani und ich fahren mit dem Tandem an die Küste, von wo ich alleine zurück wandere. Der Weg ist sehr trocken und sandig, zum Teil auch recht steil. Die Sicht auf die See ist traumhaft, die Buchten sind türkis-grün leuchtend. Einige Segler ankern, viele Seekajaker und SUPler sind am paddeln. Ein Touri-Uboot, ein Touri-Motorboot und ein Touri-Katamaran fahren den ganzen Tag der Küste entlang und präsentieren die Küste mit ihren Höhlen und Stränden.

Nach einem mega feinen Coupes geniesse ich einen kurzen Schwumm mit Elsbeth und Urs im kühlen Wasser. Ich will mir ein Occasion-SUP kaufen, da die Saison aber bis Anfang Oktober dauert, sind sie noch nicht zum Verkauf frei. Am Abend gehen wir gemeinsam fein essen. Danach gibt es eine Dog-Revanges, aber leider schaffen es die Männer wieder gaaaanz knapp uns zu schlagen.
Heute gehe ich zu Fuss einkaufen für die nächsten zwei Tage, Mani füllt Wasser auf und macht das Boot klar. Urs und Elsbeth gehen wieder ihre eigenen Wege. Schön, dass wir uns so spontan treffen konnten, vielen Dank euch beiden.

Wir verlassen den Hafen kurz vor 10 Uhr. Es hat fast kein Wind, wir motoren, unser Ziel Guilvinec, ca. 40sm. Während der ruhigen Fahrt studiere ich den Wetterapp und die möglichen Ziele für die nächsten Tage. Auf Freitag ist wieder Starkwind angesagt. Mit Schrecken stelle ich fest, dass aber am Montag Abend die Wellen langsam steigen und bis Dienstag über 3m hoch werden. Der Starkwind am Freitag bringt auch hohe Wellen, die erst Anfang nächster Woche wieder nachlassen. Der Wirbelsturm Erin, der in der Karibik war, wirft sehr hohe Wellen bis in die Biskaya. Stefan hat uns schon davor gewarnt. Was sollen wir jetzt tun? Eine Nachtfahrt, um möglichst weit zu fahren oder ganz gemütlich weiter und schauen wo uns der Wind hintreibt? Wir haben ca. 300sm bis Cappreton, wo wir Irené und Roli abholen, sie verbringen 12 Tage bei uns. Das heisst 100sm/Woche, das ist sehr gut zu schaffen, aber auch mit einer Woche Pause?

Ich will so schnell wie möglich weiter, so dass wir spätestens am 11. September in Cappreton sind, dann können wir die letzten 12 Tage im Süden noch ruhig geniessen. Wir suchen nach Häfen, die tief genug für die Miss Suma sind, wir brauchen 1.80m. Das erweist sich als recht schwierig. Der Hafen von Croisic, auf einer kleinen Halbinsel in der Nähe von Nantes sollte passen. Wir fragen an und bekommen positiven Bescheid. Morgen am späteren Nachmittag sollten wir dort sein.
Tagsüber heisst es nur motoren, wir haben Flaute. Später frischt der Wind auf, aber aus der falschen Richtung, wieder mal voll auf die Nase. Die Nachtfahrt verläuft ruhig und klar mit einem schönen Sternenhimmel. Zum Teil können wir sogar segeln. Im Drei-Stundentakt wechseln wir uns ab. Mehrmals kommen wir in den Genuss, den Delfinen beim Jagen von Fischen zu zuschauen.

Bei meiner frühen Schicht von 7 bis 9 Uhr bin ich traurig und frustriert, weil wir so schnell die Küste hinunter ,,rasen,, und die ganzen schönen Inseln und Buchten verpassen. Einen kurzen Moment lang wollte ich wieder umdrehen und einfach gemütlich die Küste hinunter segeln und bleiben wo es uns gefällt.

Wir melden uns nochmals im Hafen von Croisic um einen Platz zu bekommen. Jetzt sagt die Dame am Telefon sie habe nur einen Platz an der Boje, nicht im Hafen. Wir wollen aber einen Hafenliegeplatz während der Zeit der hohen Wellen und des Sturms. Wir rufen in La Turballe an, da hat es Platz, zum Glück nicht weit weg von unserem Standort. Der Hafen ist Tidenunabhängig. Wir buchen mal eine Nacht und schauen ob es uns hier gefällt. Morgen entscheiden wir, wie es weiter geht. Wir machen 129sm, unser Wochensoll haben wir übertroffen.

Ich will endlich mal richtig schwimmen gehen, der Strand hier ist gross und ich muss nicht weit raus gehen bis es tief genug ist. Mani macht alleine eine Velotour nach Croisic, ein schönes kleines Touristendorf, mit grosser Salzgewinnanlage, viel schöner, als das verschlafene Dorf Turballe. Die Saison ist hier schon vorbei, SUP’s gibt es keine mehr, die Läden sind geschlossen.



